
Google schaltet die kostenlosen Produkteinträge im EWR ab: So sichern Sie Ihre Produktsichtbarkeit
Zwischen dem 17. und 18. September 2026 hat Google die kostenlosen Produkteinträge und die „Beliebte Produkte“-Karussells aus den Suchergebnissen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum entfernt. Unabhängige Messungen zeigen Rückgänge von 90 bis 100 Prozent in Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden und den Niederlanden; Google bestätigte den Schritt als Umsetzung des Digital Markets Act.1 Für Shop-Betreiber bedeutet das: Der unbezahlte Weg in die Produktergebnisse ist weg, Produktsichtbarkeit läuft ab sofort über bezahlte Shopping-Anzeigen, über einen Preisvergleichsdienst oder über die klassischen Textergebnisse. Wer im vierten Quartal plant, sollte jetzt messen, wie groß der Ausfall im eigenen Shop ist, bevor er Budgets verschiebt.
Am Donnerstagmorgen sah die Produktsuche in Deutschland noch aus wie immer. Am Freitag war das Karussell mit den Produktkacheln über den ersten Treffern verschwunden, und an seiner Stelle standen Preisvergleicher und Händlerseiten. Dazwischen lagen rund 48 Stunden. Eine Ankündigung gab es nicht.
Wir haben vergangene Woche beschrieben, wie Google die EU-Suchergebnisse umbaut und welche Bereiche als Nächstes an der Reihe sein dürften: Google baut die EU-Suche um: Was der DMA für Ihren Shop bedeutet. Damals war die Produktseite noch offen. Der Punkt, der dort als „Umsetzung steht noch aus“ markiert war, ist jetzt eingetreten, und zwar deutlich schneller als erwartet.
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Was genau verschwunden ist
Betroffen sind die unbezahlten Produktergebnisse. Bis vergangene Woche konnten Sie über einen Produktfeed im Google Merchant Center in den Shopping-Flächen erscheinen, ohne ein Gebot abzugeben. Das war die kostenlose Hälfte von Google Shopping, und sie war für kleinere Händler oft der einzige Zugang zu einer Fläche, die sonst Werbetreibenden vorbehalten war.
Die sichtbarste Form dieser Fläche war das „Beliebte Produkte“-Karussell: eine Reihe von Produktkacheln mit Bild, Preis und Händlername, die bei kaufnahen Suchanfragen Above the Fold über den klassischen Treffern lag. Hugo Huijer vom Analysedienst Productrise hat die Entwicklung über mehrere Länder hinweg gemessen und meldete am 17. September Rückgänge von etwa 90 bis 100 Prozent in allen Märkten, für die seine Datenbasis ausreicht: Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden und die Niederlande.1 Der Semrush Sensor zeigt für dieselben Regionen denselben Verlauf.1 Ginny Marvin, Google Ads Liaison, bestätigte in einem Kommentar auf LinkedIn, dass die Entfernung auf die DMA-Vorgaben zurückgeht.1
Was nicht betroffen ist, ist mindestens genauso wichtig: Die bezahlten Shopping-Anzeigen laufen unverändert weiter.2 Ihr Produktfeed hat also keineswegs ausgedient. Er versorgt weiterhin die bezahlten Flächen, Preisvergleicher und KI-Kanäle. Nur der kostenlose Weg über die allgemeine Suche ist geschlossen.
Warum Google das tut
Hintergrund ist das Verbot der Selbstbevorzugung im Digital Markets Act, dem EU-Gesetz über digitale Märkte. Die Europäische Kommission hatte im Verfahren DMA.100193 entschieden, dass Google eigene Dienste in den Suchergebnissen nicht gegenüber konkurrierenden Diensten bevorzugen darf, und dem Konzern dafür eine Frist von 60 Tagen gesetzt. Diese Frist läuft in dieser Woche ab.2
Google hätte die eigenen Produktergebnisse theoretisch auch schlechter platzieren können. Stattdessen hat sich der Konzern für die vollständige Entfernung entschieden und gibt die Fläche an Comparison Shopping Services ab, also an Preisvergleichsdienste, die im DMA-Kontext als vertikale Suchdienste geführt werden.2 Google selbst hat die europäischen Anpassungen als größte Qualitätsminderung der eigenen Suchgeschichte bezeichnet. Das ist eine Bewertung des Konzerns, keine gemessene Größe, und sollte entsprechend gelesen werden.
Warum trifft es kleine Händler härter?
Die kostenlosen Produkteinträge waren ein Zugang ohne Eintrittspreis. Wer sie nutzte, brauchte kein Werbebudget und keinen Vermittler, sondern einen sauberen Feed. Genau diese Gruppe hat jetzt drei Alternativen, und keine davon ist gleichwertig: bezahlte Shopping-Anzeigen kosten Geld je Klick, ein Preisvergleichsdienst nimmt eine Marge, und die klassischen Textergebnisse liefern weniger kaufnahe Sichtbarkeit als eine Produktkachel mit Bild und Preis.
Was das für Ihren Shop bedeutet
Die praktische Folge ist ein Traffic-Loch, das in den meisten Analytics-Setups nicht sofort als solches auffällt. Besucher aus den kostenlosen Produkteinträgen kamen als organischer Google-Traffic an und mischten sich dort unter die Besucher aus den Textergebnissen. Wenn Ihre organischen Sitzungen seit vergangenem Donnerstag ohne erkennbaren Grund nachgeben, ist das der wahrscheinlichste Grund, und nicht ein Ranking-Verlust.
Für die Budgetplanung im vierten Quartal heißt das zweierlei. Erstens verschiebt sich Nachfrage von einem kostenlosen in bezahlte Kanäle, was die Auktionen dichter macht. Zweitens gewinnt jeder einzelne bezahlte Klick an Gewicht, weil er nicht mehr durch kostenlose Sichtbarkeit flankiert wird. Wer seinen ROAS, also das Verhältnis von Werbeumsatz zu Werbekosten, auf Basis der Vorjahreszahlen plant, rechnet mit einer Ausgangslage, die es nicht mehr gibt.
Welche drei Wege bleiben?
- Bezahlte Shopping-Anzeigen: Die Product Listing Ads sind unverändert verfügbar und arbeiten mit demselben Produktfeed. Sie zahlen je Klick, abgerechnet über den CPC, also die Kosten pro Klick.
- Preisvergleichsdienst (CSS): Ein CSS stellt Ihre Angebote in die Produktflächen ein und behält dafür eine Marge oder Gebühr. Für viele Händler ist das der direkte Ersatz für die kostenlose Fläche, aber eben ein bezahlter.
- Klassische organische Sichtbarkeit: Kategorie- und Produktseiten in den Textergebnissen. Diese Fläche ist unberührt und gewinnt relativ an Bedeutung, weil die Produktkacheln über ihr weggefallen sind.

Was Sie jetzt tun sollten
Der erste Schritt ist Messung, nicht Umbau. Ohne Zahlen verschieben Sie Budget ins Blaue.
Ausfall beziffern. Ziehen Sie in der Google Search Console und in Ihrem Analytics-System die organischen Zahlen für den 10. bis 16. September und vergleichen Sie sie mit dem 18. bis 24. September. Achten Sie besonders auf Produktdetailseiten. Die Differenz ist Ihr Ausgangswert für alle weiteren Entscheidungen.
Feed sauber halten. Ihr Produktfeed ist jetzt wichtiger, nicht unwichtiger. Er speist die bezahlten Flächen, jeden Preisvergleicher und die KI-Kanäle. Prüfen Sie Verfügbarkeiten, Preise, GTIN und Herstellernummer auf Vollständigkeit. In Shopware pflegen Sie Produktmerkmale als strukturierte Eigenschaften unter Kataloge, nicht als Freitext in der Beschreibung. Das versorgt Filter, Produktexporte und die Lesbarkeit für KI-Systeme in einem Arbeitsgang.
Kategorieseiten stärken. Was oberhalb Ihrer Treffer weggefallen ist, ist Platz, den Sie mit klassischer organischer Sichtbarkeit füllen können. Kategorieseiten mit sauberem Text, korrekten strukturierten Daten und eindeutiger Suchintention profitieren am direktesten von der neuen Seitenstruktur.
Eine Randnotiz mit Frist. Google verlangt seit dem 18. September, dass Produkte für Erwachsene im Produktfeed gekennzeichnet werden, entweder über das Attribut adult im Merchant Center oder über die Auszeichnung hasAdultConsideration in den strukturierten Daten.3 Das betrifft nur Teile des Sortiments, aber es betrifft die Shopping-Flächen, die Ihnen geblieben sind. Ebenfalls neu seit dem 18. September: Produktbewertungen lassen sich jetzt über die Merchant API einspielen, was die manuelle Pflege ersetzt.4
Wichtige Erkenntnisse für Shop-Betreiber
Der Kanal ist weg, der Feed ist es nicht. Die kostenlose Fläche in der allgemeinen Suche ist geschlossen. Ihr Produktfeed versorgt weiterhin bezahlte Anzeigen, Preisvergleicher und KI-Kanäle, und seine Datenqualität entscheidet jetzt über mehr als vorher.
Der Traffic-Verlust sieht aus wie ein Ranking-Problem. Besucher aus den Produkteinträgen kamen als organischer Traffic an. Wer den Einbruch ab dem 18. September als Ranking-Verlust deutet, optimiert an der falschen Stelle.
Die Entscheidung über den Ersatzkanal gehört vor das vierte Quartal. Ob Sie in Shopping-Anzeigen investieren, einen Preisvergleichsdienst anbinden oder auf Kategorieseiten setzen, ist eine Rechnung je Kategorie. Diese Rechnung sollte vor dem Weihnachtsgeschäft stehen, nicht mittendrin.
Ob die Kommission diese Form der Umsetzung akzeptiert, ist offen. Google hat die eigene Fläche geräumt statt sie gleichberechtigt zu öffnen, und die Empfänger der frei gewordenen Fläche sind in vielen Fällen selbst Wiederverkäufer von Google-Shopping-Anzeigen. Es ist deshalb gut möglich, dass die Produktflächen im EWR in den nächsten Monaten noch einmal anders aussehen.
Ihr 5-Minuten-To-do
- Öffnen Sie die Google Search Console, wählen Sie den Leistungsbericht und vergleichen Sie die Klicks vom 10. bis 16. September mit dem 18. bis 24. September. Filtern Sie auf Ihre Produktdetailseiten.
- Öffnen Sie das Google Merchant Center und prüfen Sie unter „Diagnose“, ob Ihr Produktfeed aktuell Fehler oder Warnungen meldet.
- Notieren Sie Ihre drei umsatzstärksten Kategorien. Für diese drei entscheiden Sie als Erstes über den Ersatzkanal.
- Prüfen Sie, ob Ihr Sortiment Artikel enthält, die als Produkte für Erwachsene gelten. Falls ja, setzen Sie die Kennzeichnung im Feed auf die To-do-Liste.
- Blocken Sie 30 Minuten im Kalender für die Entscheidung Shopping-Anzeigen, Preisvergleichsdienst oder Kategorieseiten, und zwar vor dem 15. Oktober.
Quellen
- Search Engine Roundtable, „Google Search Drops Free Product Listings From European Economic Area“, 18.09.2026, abgerufen am 21.09.2026
- PPC Land, „Google drops free shopping listings across Europe in two days“, 19.09.2026, abgerufen am 21.09.2026
- Search Engine Roundtable, „Google Now Requires You Label Adult Products In Ecommerce Feeds“, 18.09.2026, abgerufen am 21.09.2026
- Search Engine Land, „Google Merchant Center adds API support for product reviews“, 18.09.2026, abgerufen am 21.09.2026
