Google nutzt Ihre Marketing-E-Mails – Mehr Reichweite oder Kontrollverlust?

Google nutzt jetzt Ihre Marketing-E-Mails – Mehr Reichweite oder Kontrollverlust?

Ab April 2025 erweitert Google die Funktionen im Merchant Center: Inhalte aus Ihren Marketing-E-Mails können künftig automatisch erfasst und auf verschiedenen Google-Plattformen ausgespielt werden – etwa in der Suche oder im Shopping-Tab. Ziel ist es, potenziellen Kundinnen und Kunden noch mehr Informationen über Ihre Marke und Ihre Angebote bereitzustellen – direkt aus Ihren bestehenden Mailings.

Gerade für Unternehmen, die aktiv E-Mail-Marketing betreiben, ist das eine relevante Neuerung. Denn was im Newsletter steht, kann plötzlich auch auf Google sichtbar werden – inklusive Rabattaktionen, Ankündigungen oder Social-Media-Links.

Doch was bedeutet das konkret für Sie als Onlinehändler? Welche Chancen bietet die neue Funktion im Merchant Center von Google – und wo lauern mögliche Risiken? In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die automatische Nutzung Ihrer E-Mail-Inhalte funktioniert, worauf Sie achten sollten und ob Sie die Funktion aktiv lassen oder deaktivieren sollten.

Was ist neu im Google Merchant Center-Konto? – Die Funktion im Überblick

Mit dem neuen Feature „Marketing Content Usage“ geht Google einen weiteren Schritt in Richtung automatisierter Content-Verbreitung. Seit dem 3. April 2025 ist diese Funktion im Merchant Center standardmäßig aktiviert – Onlinehändler müssen also aktiv werden, wenn sie nicht möchten, dass ihre E-Mail-Inhalte auf Google erscheinen.

Was macht die neue Funktion im Google Merchant Center?

Google meldet sich über öffentliche Formulare zu Mailing-Listen an oder wird manuell hinzugefügt, empfängt und analysiert dadurch Marketing-E-Mails von Händlern und extrahiert daraus relevante Informationen, darunter:

  • Sonderangebote und Rabattaktionen
  • Hinweise auf neue Produkte oder Kollektionen
  • Links zu Social-Media-Profilen
  • Bild- und Videoinhalte zu Produkten oder zur Marke
  • Markenwerte und Unternehmenskommunikation

Diese Inhalte werden anschließend automatisch an verschiedenen Stellen in Google-Diensten ausgespielt, etwa:

  • In der Google Suche, z. B. bei markenbezogenen Suchanfragen
  • Im Shopping-Tab, als ergänzende Inhalte zu Produkten
  • Möglicherweise auch auf anderen Plattformen wie Google Maps (z. B. bei standortbezogenen Angeboten)

Ist Ihr Merchant Center strategisch aufgestellt?

Wir analysieren, wie die neue Funktion Ihre Sichtbarkeit, Markenkommunikation und Performance beeinflusst – datenbasiert und auf Ihr Geschäftsmodell abgestimmt.

Wie gelangen Ihre E-Mail-Marketing-Inhalte zu Google?

Google kann sich grundsätzlich selbstständig für Ihre E-Mail-Kommunikation anmelden – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Dabei nutzt Google die „automatische Anmeldung“, indem:

  • der Googlebot Ihre Website crawlt,
  • ein öffentlich zugängliches Newsletter-Formular findet,
  • keine technischen Hürden wie reCAPTCHA oder Double-Opt-In bestehen,
  • und die robots.txt den Zugriff auf die Newsletter-Seite nicht blockiert.

In diesem Fall versucht Google, die Adresse marketingemailtogoog@gmail.com in Ihre Verteilerliste einzutragen – um dann automatisiert Ihre Marketing-Mails zu empfangen und auszuwerten.

Aber: In der EU funktioniert das in der Regel nicht automatisch.

Aufgrund der DSGVO ist in der Europäischen Union ein sogenanntes Double-Opt-In-Verfahren gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet: Eine Anmeldung zum Newsletter ist erst dann gültig, wenn Nutzer aktiv auf einen Bestätigungslink klicken.

Und genau hier liegt das Problem: Google klickt diesen Bestätigungslink nicht – und überwindet auch keine reCAPTCHA-Hürden. Damit scheitert die automatische Anmeldung in fast allen Fällen, sobald ein DSGVO-konformer Double-Opt-In-Prozess verwendet wird (wie es in Deutschland und der gesamten EU üblich und erforderlich ist).

Was heißt das konkret für Sie?

Wenn Sie möchten, dass Google Ihre Marketing-E-Mails zuverlässig erhält, müssen Sie in der EU manuell aktiv werden:

  • Fügen Sie marketingemailtogoog@gmail.com direkt zu Ihrem Verteiler hinzu.
  • Achten Sie darauf, dass dies datenschutzkonform geschieht – z. B. indem Sie diese Adresse nicht zu personalisierten Verteilerlisten hinzufügen.

So stellen Sie sicher, dass Ihre Inhalte bei Google ankommen – unabhängig von technischen Einschränkungen durch Opt-In-Prozesse oder Website-Schutzmechanismen.

Wo lässt sich die neue Funktion im Merchant Center verwalten?

Wer diese automatisierte Nutzung nicht möchte, kann die Funktion im eigenen Merchant Center-Konto deaktivieren.

  1. Gehen Sie dazu in die Allgemeinen Kontoeinstellungen.
  2. Scrollen Sie zum Bereich „Marketing content usage“.
  3. Wählen Sie die Option „Daten nicht weitergeben“.
  4. Klicken Sie auf „Speichern”.

Chancen für Händler: Das bietet das neue Feature

Mit der neuen „Marketing Content Usage“-Funktion eröffnet Google Onlinehändlern die Möglichkeit, ihre Inhalte ohne zusätzlichen Aufwand einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Für viele E-Commerce-Unternehmen, die regelmäßig E-Mail-Marketing betreiben, kann das ein echter Reichweiten-Booster sein.

  • Automatisierte Reichweite: Google erhält Ihre Marketing-E-Mails, analysiert die Inhalte und spielt relevante Infos automatisch auf Google-Kanälen aus – ganz ohne manuelle Pflege.
  • Mehr Sichtbarkeit für Ihre Marke: Ihre Inhalte erscheinen nicht nur im Posteingang, sondern auch auf Google Shopping und in der Google Suche.
  • Konsistente Kommunikation: Ihre Botschaften werden kanalübergreifend dargestellt – von der E-Mail bis zu Google-Ergebnissen.
  • Immer aktuell: Google greift regelmäßig auf Ihre Mailings zu, sodass neue Aktionen oder Produkt-Highlights schnell und automatisch sichtbar werden.

Kurz gesagt: Die automatische Nutzung Ihrer Marketing-E-Mails durch Google kann Ihre Reichweite deutlich steigern – ohne zusätzliche Kosten. Wenn Sie regelmäßig gut strukturierte und aktuelle Mailings versenden, profitieren Sie von einer erweiterten Sichtbarkeit und einer konsistenten Markenpräsenz auf den wichtigsten Google-Plattformen.

 

Der kritische Blick: Was Händler bedenken sollten

So verlockend die automatische Reichweite durch Google auch klingt – Händler sollten die Funktion nicht blindlings aktiv lassen, sondern die möglichen Risiken und Einschränkungen genau abwägen.

Google spielt Ihre (exklusiven) Inhalte aus – ohne Mitbestimmung

Viele Unternehmen verschicken über E-Mail exklusive Angebote an Stammkund:innen oder VIP-Gruppen – etwa Early-Bird-Aktionen, spezielle Rabattcodes oder geheime Previews. Durch die automatische Ausspielung auf Google könnten diese Inhalte plötzlich für ein breites Publikum sichtbar werden. Das birgt Risiken:

  • Missbrauch durch Rabatt-Portale oder Bots
  • Verlust des exklusiven Charakters von Aktionen
  • Verwirrung bei Kund:innen, wenn versprochene „Exklusivität“ plötzlich öffentlich ist

Die automatisierte Auswahl durch Google ist in vielen Hinsichten intransparent: Welche Inhalte erscheinen wo? Wie oft? In welchem Kontext? Es ist nicht klar, wie die Inhalte von Google Shopping und Co durch die Merchant Center-Änderung beeinflusst werden. Händler geben mit der Aktivierung ein Stück weit die Kontrolle über ihre Markenkommunikation ab.

Unsichtbarer Erfolg: Wenn Performance zur Blackbox wird

Ein zentraler Knackpunkt bei der Nutzung von „Marketing Content Usage“ ist die fehlende Transparenz beim Tracking:

Im Gegensatz zu klassischen E-Mail-Kampagnen, bei denen Öffnungsraten, Klicks, Conversions und Umsatzbeiträge genau analysiert werden können, fehlen bei Googles automatischer Ausspielung derzeit verlässliche Messgrößen.

Händler wissen oft nicht,

  • welche Inhalte genau ausgespielt wurden,
  • auf welchen Plattformen sie erschienen sind,
  • und wie viele Nutzer:innen tatsächlich interagiert haben.

Das macht es schwierig, den tatsächlichen Mehrwert der Funktion zu bewerten – insbesondere im Vergleich zu bewusst geplanten Kampagnen in Ads oder per Newsletter.

Die Verantwortung für Datenschutz bleibt bei Ihnen

Besonders sensibel ist in diesem Zusammenhang das Thema Datenschutz:

Die DSGVO verpflichtet Unternehmen dazu, genau nachzuvollziehen, wohin personenbezogene Daten und Kommunikationsinhalte gelangen – und wie sie verarbeitet werden. Wenn Sie Google Zugriff auf Ihre Marketing-E-Mails gewähren möchten, müssen Sie sicherstellen, dass dies im Einklang mit Ihren eigenen Datenschutzrichtlinien steht und durch die Empfänger:innen entsprechend eingewilligt wurde.

Wichtig dabei: Die Verantwortung liegt allein beim Unternehmen. Google übernimmt keine Haftung oder rechtliche Verantwortung für die Inhalte, die übermittelt werden. Auch prüft Google nicht automatisch, ob die Nutzung DSGVO-konform ist. Unternehmen müssen daher selbst sicherstellen, dass ihre Kommunikationspraxis den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Die gesammelten Inhalte werden gemäß den Merchant Center-Nutzungsbedingungen verwendet – nicht darüber hinaus. Dennoch gilt: Sorgfalt und Transparenz im Umgang mit sensiblen Informationen sind Pflicht.

Die neue Funktion kann nützlich sein – birgt aber gerade für strategisch gesteuerte Kommunikation erhebliche Risiken, wenn man nicht gezielt filtert, was öffentlich werden darf.

Sind Ihre Newsletter bereit für die Google-Ausspielung?

Wir prüfen Struktur, Inhalte, Tracking und Datenschutz – damit Ihre E-Mails öffentlich funktionieren und intern geschützt bleiben.

Best Practices – so profitieren Sie von mehr Reichweite bei voller Kontrolle!

Wenn sie bewusst und strategisch eingesetzt wird, kann die neue Funktion im Google Merchant Center ein starkes Tool sein. Damit Sie den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen und gleichzeitig potenzielle Risiken minimieren, empfehlen wir folgende Vorgehensweisen:

Wann lohnt es sich, die Funktion aktiviert zu lassen?

Die automatische Nutzung Ihrer Marketing-E-Mails durch Google kann sinnvoll sein, wenn:

  • Ihre Inhalte allgemeingültig und öffentlich sein dürfen (z. B. saisonale Aktionen, neue Produkte, Social-Media-Hinweise)
  • Sie regelmäßig gut strukturierte und aktuelle Mailings versenden
  • Sie Ihre Reichweite erhöhen möchten, ohne zusätzliche Kampagnen aufzusetzen
  • Ihre E-Mail-Kommunikation bereits mit anderen Marketingkanälen abgestimmt ist

Trifft keiner dieser Punkte auf Sie zu, sollten Sie von der Nutzung der neuen Funktion besser absehen. Wägen Sie außerdem Vor- und Nachteile der automatischen Ausspielung Ihrer Newsletter-Inhalte individuell ab, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

So sollten Inhalte in E-Mails strukturiert sein

Damit Google die relevanten Informationen zuverlässig erkennt, gilt:

  • Klare Botschaften: Platzieren Sie Kerninformationen wie Rabatte, Aktionen oder Neuheiten prominent und leicht verständlich im oberen Drittel Ihrer Mail.
  • Aktuelle Inhalte: Aktualisieren Sie Ihre Mailings regelmäßig, um veraltete Informationen auf Google zu vermeiden.
  • Visuelle Unterstützung: Verwenden Sie ergänzende Bilder oder Icons zur Hervorhebung wichtiger Inhalte – Google erkennt visuelle Kontexte zunehmend besser.

Trennung von öffentlichem und exklusivem Content

Nicht jede Information gehört in die Öffentlichkeit. Achten Sie auf eine klare Trennung:

  • Öffentliche Inhalte: Produktneuheiten, saisonale Kampagnen, Social Media, allgemeine Markenbotschaften
  • Exklusive Inhalte: VIP-Rabatte, personalisierte Angebote, interne Vorankündigungen – diese sollten nicht automatisch erfasst werden

Tipp: Nutzen Sie für exklusive Inhalte z. B. personalisierte Links oder Codes als Bild, um eine automatische Texterkennung durch Google zu erschweren.

Technische Empfehlungen für eine gezielte Ausspielung

  • Rabattcodes als Bild statt Text: So vermeiden Sie unerwünschtes Crawling durch Google oder Dritte.
  • Segmentierung durch separate Mails: Lagern Sie exklusive Zielgruppenkommunikation (z. B. Stammkundenaktionen) in eigene Mailings aus.
  • Eindeutige URLs: Nutzen Sie Tracking-Parameter, um die Klickpfade nachvollziehbar zu halten – auch wenn die Erfolgsmessung durch Google selbst limitiert ist.

Checkliste: Ist Ihre Marketing-E-Mail bereit für Google?

✔️Enthält die E-Mail ausschließlich Inhalte, die öffentlich sein dürfen?
Keine VIP-Angebote, Pre-Sales, personalisierte Codes oder vertraulichen Informationen.
✔️Sind die Kernbotschaften klar und direkt erkennbar?
Platzieren Sie zentrale Aussagen (z. B. Rabatte, Aktionen, Produktneuheiten) im oberen Drittel der Mail.
✔️Sind exklusive Inhalte von allgemeinen getrennt?
Trennen Sie Angebote für spezielle Zielgruppen (z. B. Stammkund:innen) klar oder lagern Sie sie aus.
✔️Wurden personenbezogene oder sensible Daten vermieden?
Keine Namen, IDs, Kundennummern oder persönliche Empfehlungen, die nur für einzelne Personen bestimmt sind.
✔️Sind visuelle Elemente sinnvoll eingesetzt?
Verwenden Sie unterstützende Grafiken, Icons oder Banner, um Inhalte zu strukturieren und hervorzuheben.
✔️Gibt es technische Schutzmaßnahmen bei vertraulichen Infos?
Rabattcodes, die nicht öffentlich sein sollen, besser als Bild statt als Text einfügen, oder als personalisierten Link verschicken.
✔️Sind Links mit Tracking-Parametern versehen?
Nutzen Sie z. B. UTM-Parameter, um nachvollziehen zu können, wie Ihre Inhalte performen.
✔️Ist die Mail responsiv und sauber strukturiert?
Vermeiden Sie überladene Layouts. Klare Struktur hilft nicht nur Nutzer:innen, sondern auch Googles Erkennung.
✔️Wurde der Inhalt kürzlich aktualisiert?
Vermeiden Sie veraltete Aktionen oder abgelaufene Angebote, die sonst über Google weiterverbreitet würden.
✔️Wurden DSGVO-Vorgaben berücksichtigt?
Stellen Sie sicher, dass die Aufnahme von Google in den Verteiler datenschutzkonform erfolgt.

Wenn Sie die Funktion nutzen, sollten Sie das bewusst tun – mit strukturierten, DSGVO-konformen Inhalten und einer klaren Trennung zwischen öffentlich und exklusiv. So wird aus einer automatischen Ausspielung eine strategisch wertvolle Ergänzung Ihrer Marketingarbeit.

Mehr Google-Sichtbarkeit ohne Zusatzbudget?

Nutzen Sie Ihre bestehenden Mailings strategisch für zusätzliche Reichweite – mit sauberer Trennung zwischen öffentlichem und exklusivem Content.

Unser Fazit zur Google-Funktion: Automatisch ist nicht gleich strategisch

Die neue „Marketing Content Usage“-Funktion im Google Merchant Center ist ein Schritt in Richtung automatisierter Sichtbarkeit – mit echtem Potenzial für Händler, die regelmäßig strukturierte und öffentlich geeignete Marketinginhalte versenden. Gerade in einem wettbewerbsintensiven E-Commerce-Umfeld kann jede zusätzliche Platzierung auf Google zur besseren Sichtbarkeit beitragen – ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand.

Gleichzeitig gilt: Nicht jede E-Mail ist für die öffentliche Ausspielung geeignet. Wer Google unbewusst Zugriff auf sensible Inhalte gewährt, riskiert einen Kontrollverlust über die eigene Markenkommunikation – oder sogar rechtliche Fallstricke im Bereich Datenschutz.

Unsere Empfehlung:

  • Nutzen Sie die Funktion selektiv. Prüfen Sie sorgfältig, welche Inhalte über Google sichtbar werden sollen – und welche nicht.
  • Testen Sie die Wirkung. Aktivieren Sie die Funktion für bestimmte Kampagnen, beobachten Sie, wie Ihre Inhalte ausgespielt werden, und ziehen Sie daraus Rückschlüsse.
  • Überwachen Sie regelmäßig. Kontrollieren Sie die Ausspielung und justieren Sie Ihre E-Mail-Inhalte entsprechend nach.
  • Entscheiden Sie bewusst. Lassen Sie die Funktion nicht einfach „laufen“, sondern treffen Sie eine fundierte Entscheidung auf Basis Ihrer Ziele, Ihres Datenschutzverständnisses und Ihrer Markenstrategie.

Sprechen Sie mit uns über Ihre Merchant Center-Strategie – wir helfen Ihnen gerne, Potenziale gezielt zu nutzen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Vereinbaren Sie einfach ein kostenloses Beratungsgespräch mit unseren Experten!